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Weiterbildung

Bestbezahlte Ausbildungsberufe: Das große Gehalts-Ranking

Berufswelt Journal Redaktion
BIBB-Seite Tarifliche Ausbildungsvergütungen mit amtlicher Rangliste nach Ausbildungsberuf, Stand 1. Oktober 2025

Welche sind die bestbezahlten Ausbildungsberufe in Deutschland? Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, was du misst. Wer während der Ausbildung am meisten verdient, steht nach dem Abschluss nicht automatisch auch ganz oben. Dieser Artikel trennt deshalb konsequent zwei Dinge, die viele Rankings vermischen: die Ausbildungsvergütung während der Lehre auf Basis der amtlichen Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB, Stand 1. Oktober 2025) und das Einstiegsgehalt in den ersten drei Jahren nach der Ausbildung aus dem Stepstone Gehaltsreport 2025 (Pressemitteilung vom 25. März 2025). Jede Zahl ist mit Quelle und Stichtag belegt, und die Tabellen sind so aufgebaut, dass sie sich laufend aktualisieren lassen.

Die bestbezahlten Ausbildungsberufe auf einen Blick

  • Höchste tarifliche Ausbildungsvergütung: Milchtechnologe mit durchschnittlich 1.463 Euro brutto im Monat über alle Ausbildungsjahre hinweg (BIBB, Stand 1.10.2025).
  • Zweithöchste tarifliche Ausbildungsvergütung: Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen mit 1.404 Euro brutto im Monat (BIBB, Stand 1.10.2025).
  • Höchstes Einstiegsgehalt nach der Ausbildung: Chemikant mit 46.250 Euro Bruttomedian pro Jahr, gefolgt von Sozialversicherungsfachangestellten mit 45.000 Euro (The Stepstone Group, Pressemitteilung vom 25.03.2025).
  • Bundesdurchschnitt aller Azubis 2025: 1.209 Euro brutto im Monat, ein Plus von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr (BIBB).
  • Mit Meisterabschluss oft deutlich mehr: Median von 52.000 Euro, Spitzenwert 79.000 Euro beim Industriemeister Chemie (Stepstone 2025).

Wie wir bestbezahlte Ausbildungsberufe ranken (Methodik)

Viele Listen im Netz werfen Ausbildungsvergütung, Einstiegsgehalt und Gehalt nach zehn Berufsjahren in einen Topf und nennen das Ergebnis ein Ranking. Das ist methodisch unsauber, denn es handelt sich um drei völlig verschiedene Größen aus unterschiedlichen Quellen und Erhebungsjahren. Hinzu kommt: Manche Datenbanken im Netz weisen Entgelt-Mediane für alle Vollzeit-Fachkräfte aus – also erfahrene Kräfte inklusive – und keine Einstiegsgehälter. Wer solche Werte als „Einstiegsgehalt" ausgibt, zeichnet ein verzerrtes Bild. Dieser Artikel geht deshalb einen anderen Weg und arbeitet mit zwei getrennten, klar ausgewiesenen Kriterien aus jeweils eindeutig zugeordneten Quellen.

Kriterium 1: die tarifliche Ausbildungsvergütung. Hierfür nutzen wir die Gesamtübersicht des BIBB zu den tariflichen Ausbildungsvergütungen. Das Institut beobachtet seit 1976 die Entwicklung der tariflichen Vergütungen und aktualisiert die Daten jedes Jahr zum Stichtag 1. Oktober. Die aktuellsten Werte stammen vom 1. Oktober 2025 und decken 173 Ausbildungsberufe in Westdeutschland und 112 Berufe in Ostdeutschland ab. Die Angaben sind Brutto-Monatswerte – Durchschnittswerte über die gesamte Ausbildungsdauer. Wichtig: Es handelt sich um tarifliche Sätze. Was das für deine tatsächliche Vergütung bedeutet, erklärt der Abschnitt zu Tarifbindung weiter unten.

Die BIBB-Daten sind eine amtliche und regelmäßig aktualisierte Quelle für Azubi-Gehälter: Sie werden jährlich aus den tatsächlich abgeschlossenen Tarifverträgen berechnet und umfassen rund 500 Tarifbereiche. Gleichzeitig gibt es eine Grenze, die du kennen solltest: Die Übersicht bildet nur Tarifverträge ab. Was einzelne nicht tarifgebundene Betriebe zahlen, erfasst sie nicht. Genau deshalb ist es wichtig, die Begriffe sauber auseinanderzuhalten – und deshalb enthält jede Tabelle in diesem Artikel eine eigene Spalte für den Datenstand.

Kriterium 2: das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung. Hierfür nutzen wir den Stepstone Gehaltsreport 2025, dessen Kernzahlen die Stepstone Group in ihrer Pressemitteilung vom 25. März 2025 veröffentlicht hat. Die Werte sind Bruttomediane für Berufseinsteiger in Ausbildungsberufen. Der Median ist der Wert genau in der Mitte aller Gehälter und damit robuster gegen Ausreißer als ein Durchschnitt: Ein einzelner Spitzenverdiener verzerrt ihn nicht. Es gibt exakt gleich viele Gehälter, die niedriger und die höher sind als der Median.

Zwei Hinweise zur Einordnung: Erstens sind beide Rankings Bruttowerte. Netto bleibt dir je nach Steuerklasse und Abgaben deutlich weniger. Zweitens sind beide Rankings Momentaufnahmen. Das BIBB aktualisiert seine Daten jährlich zum 1. Oktober, Stepstone veröffentlicht seine Auswertungen ebenfalls regelmäßig. Die Spalte „Stand" in beiden Tabellen zeigt dir deshalb jederzeit, auf welchen Datenstand sich eine Zahl bezieht.

Ranking 1: Die höchsten Ausbildungsvergütungen nach BIBB (2025)

Die folgende Tabelle zeigt die Spitzenreiter bei der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung im Bundesgebiet – aufgeschlüsselt nach Lehrjahr und als Durchschnitt über alle Ausbildungsjahre. Alle Angaben sind Brutto-Monatswerte in Euro.

RangAusbildungsberuf1. Lehrjahr2. Lehrjahr3. Lehrjahr4. LehrjahrØ alle LehrjahreStand
1Milchtechnologe/-technologin1.345 €1.469 €1.589 €1.463 €1.10.2025
2Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzanlagen1.336 €1.407 €1.497 €1.404 €1.10.2025
3Milchwirtschaftliche/-r Laborant/-in1.313 €1.400 €1.514 €1.403 €1.10.2025
4Bankkaufmann/-frau1.333 €1.387 €1.455 €1.388 €1.10.2025
5Anlagenmechaniker/-in1.270 €1.348 €1.445 €1.535 €1.381 €1.10.2025
6Rohrleitungsbauer/-in1.162 €1.314 €1.501 €1.362 €1.10.2025
7Zimmerer/Zimmerin1.070 €1.281 €1.527 €1.343 €1.10.2025
8Elektroniker/-in für Betriebstechnik1.227 €1.310 €1.401 €1.498 €1.335 €1.10.2025
9Maurer/-in1.079 €1.286 €1.533 €1.332 €1.10.2025
10Fluggerätmechaniker/-in1.268 €1.323 €1.378 €1.431 €1.332 €1.10.2025

Quelle: BIBB, tarifliche Ausbildungsvergütungen 2025, Bundesgebiet, brutto pro Monat, Stand 1. Oktober 2025. Weitere Berufe knapp dahinter: Konstruktionsmechaniker/-in (Ø 1.326 €), Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/-in (Ø 1.325 €), Straßenbauer/-in (Ø 1.325 €), Mechatroniker/-in (Ø 1.324 €) und Fertigungsmechaniker/-in (Ø 1.324 €).

Zwei Beobachtungen fallen beim Blick auf diese Spitzenplätze auf. Erstens ist das Spitzenfeld überraschend gemischt: Mit dem Milchtechnologen führt ein Beruf aus dem Lebensmittelbereich das Ranking an, dicht gefolgt von einem kaufmännischen Klassiker. Zweitens zeigt der Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt, wie weit die Spitze vom Mittel entfernt liegt: Während der Milchtechnologe auf 1.463 Euro kommt, liegt der Durchschnitt aller tariflich vergüteten Auszubildenden bei 1.209 Euro – ein Abstand von über 250 Euro pro Monat, der sich über eine dreijährige Ausbildung auf mehr als 9.000 Euro summiert.

Bemerkenswert ist zudem die Dynamik des Gesamtmarktes: Mit einem Plus von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr stiegen die tariflichen Ausbildungsvergütungen 2025 so kräftig wie selten – nach 6,3 Prozent im Vorjahr handelt es sich laut BIBB um den zweiten deutlichen Anstieg in Folge, durch den die realen Verluste der Jahre 2021 bis 2023 weitgehend ausgeglichen werden konnten. Über dem gesamtdeutschen Durchschnitt lagen die Vergütungen im öffentlichen Dienst (1.329 Euro), in der Hauswirtschaft (1.295 Euro) sowie in Industrie und Handel (1.266 Euro); unterdurchschnittlich waren sie in der Landwirtschaft (1.188 Euro), in den freien Berufen (1.098 Euro) und im Handwerk (1.093 Euro). Auszubildende im öffentlichen Dienst erhielten damit im Durchschnitt 1.329 Euro, Auszubildende im Handwerk 1.093 Euro – ein Abstand von 236 Euro pro Monat.

Ranking 2: Die höchsten Einstiegsgehälter nach der Ausbildung (Stepstone 2025)

Wer nach der Ausbildung finanziell am besten dasteht, entscheidet sich erst nach dem Abschluss. Die zweite Tabelle zeigt die Ausbildungsberufe mit dem höchsten Bruttomedian-Gehalt nach der Ausbildung. Die Datenbasis ist der Stepstone Gehaltsreport 2025, dessen Ergebnisse die Stepstone Group in ihrer Pressemitteilung vom 25. März 2025 veröffentlicht hat.

RangBerufBruttomedian-Gehalt (Jahr)Stand
1Chemikant/-in46.250 €2025
2Sozialversicherungsfachangestellte/-r45.000 €2025
3Elektroniker/-in für Automatisierungstechnik43.000 €2025
4Patentanwaltsfachangestellte/-r42.500 €2025
4Werkstoffprüfer/-in42.500 €2025
6Fluggerätmechaniker/-in41.750 €2025
6Fachangestellte/-r für Arbeitsmarktdienstleistungen41.750 €2025
8Bankkaufleute41.500 €2025
9Industriemechaniker/-in41.250 €2025
10Mechatroniker/-in41.000 €2025

Quelle: The Stepstone Group, Pressemitteilung vom 25.03.2025, Bruttomedian-Gehalt von Berufseinsteigern in Ausbildungsberufen in den ersten drei Berufsjahren. Das Bruttomediangehalt aller Berufseinsteiger in Ausbildungsberufen liegt 2025 bei 34.250 Euro.

Der Vergleich beider Rankings ist aufschlussreich. Der Milchtechnologe, Spitzenreiter bei der Ausbildungsvergütung, taucht im Einstiegsgehalt-Ranking nicht auf. Umgekehrt führt der Chemikant das Einstiegsgehalt-Ranking an, ohne bei der tariflichen Ausbildungsvergütung unter den Spitzenplätzen zu liegen. Wer also einen Beruf wählt, sollte beide Perspektiven kennen: Ein hoher Azubi-Verdienst hilft sofort, ein hohes Einstiegsgehalt zahlt sich über Jahrzehnte aus.

Zur Einordnung hilft der Blick auf die Spitzenwerte: Der Chemikant liegt mit 46.250 Euro Bruttomedian deutlich über dem Gesamtmedian aller Berufseinsteiger in Ausbildungsberufen von 34.250 Euro – ein Abstand von 12.000 Euro im Jahr. Wer sich eher für IT interessiert, findet im Überblick zum Fachinformatiker-Gehalt einen weiteren starken Kandidaten.

Auffällig ist zudem, dass Beliebtheit nicht mit dem höchsten Gehalt einhergeht: Viele Ausbildungsklassiker liegen bei den Median-Einstiegsgehältern deutlich unter den Werten der hochspezialisierten Ausbildungsberufe. Die Stepstone-Daten zeigen außerdem, wie sich der Abschluss auf das Gehalt auswirkt: Mit einem Meisterabschluss steigt der Median auf 52.000 Euro, Spitzenreiter ist der Industriemeister Chemie mit 79.000 Euro.

Kurzprofile der Top-Ausbildungsberufe

Die folgenden Profile zeigen, was dich in den Spitzenberufen erwartet und welche Voraussetzungen du mitbringen solltest. Ein Grundsatz vorab: Für die meisten dualen Ausbildungsberufe ist gesetzlich kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Die Ausbildungsbetriebe stellen aber eigene Anforderungen, die je nach Beruf deutlich variieren. Genau diese Praxisanforderungen findest du in den Profilen.

Milchtechnologe

Die Überraschung an der Spitze: Milchtechnologen steuern und überwachen in Molkereien die gesamte Verarbeitungskette – von der Annahme und Qualitätsprüfung der Rohmilch über die Herstellung von Trinkmilch, Butter, Käse und Spezialprodukten bis zu Verpackung und Lagerung. Hinzu kommen Lebensmittelrecht und Hygienevorschriften. Mit durchschnittlich 1.463 Euro brutto im Monat ist es laut BIBB (Stand 1.10.2025) die bestvergütete tarifliche Ausbildung Deutschlands – bei vergleichsweise wenig Konkurrenz um die Ausbildungsplätze, denn der Beruf steht selten auf den Beliebtheitslisten angehender Azubis ganz oben. Üblich sind ein mittlerer Schulabschluss oder ein qualifizierender Hauptschulabschluss sowie naturwissenschaftlich-technisches Verständnis.

Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen

Auszubildende beraten Kunden zu Vorsorge, Absicherung und Vermögensaufbau, bearbeiten Versicherungsfälle und begleiten den gesamten Vertragslebenszyklus. Formale Zugangsvoraussetzungen gibt es keine, üblich sind aber ein mittlerer Schulabschluss oder das Abitur sowie sicheres Auftreten und Sorgfalt im Umgang mit Zahlen. Tariflich gibt es im Schnitt 1.404 Euro im Monat (BIBB, Stand 1.10.2025) – damit ist der Beruf der zweitbestvergütete Ausbildungsberuf und zugleich der bestvergütete kaufmännische Ausbildungsberuf des Landes.

Chemikant

Chemikanten steuern in der chemischen Industrie Produktionsanlagen, überwachen Messwerte und greifen bei Störungen ein – oft im Schichtbetrieb an hochautomatisierten Anlagen. Formale Zugangsvoraussetzungen gibt es nicht, sinnvoll sind gute Kenntnisse in Mathematik, Chemie und Physik. Das eigentliche Argument für den Beruf zeigt sich nach dem Abschluss: Mit 46.250 Euro Bruttomedian führen Chemikanten das Einstiegsgehalt-Ranking des Stepstone Gehaltsreports 2025 an. Der Schichtbetrieb ist dabei zweischneidig: Er fordert Flexibilität, wird aber in der Regel über Zuschläge vergütet.

Sozialversicherungsfachangestellte

Sozialversicherungsfachangestellte arbeiten bei Kranken-, Renten- oder Pflegeversicherungen, prüfen Leistungsansprüche, beraten Versicherte und bearbeiten Anträge. Mit 45.000 Euro Bruttomedian belegen sie Platz zwei der bestbezahlten Ausbildungsberufe nach dem Abschluss (Stepstone 2025). Sinnvoll sind Interesse an rechtlichen und sozialen Fragestellungen, Sorgfalt und gute Kommunikationsfähigkeit.

Elektroniker für Automatisierungstechnik

Elektroniker für Automatisierungstechnik installieren, programmieren und warten automatisierte Anlagen – von der Produktionssteuerung bis zur Gebäudeautomation. Mit 43.000 Euro Bruttomedian liegt der Beruf auf Rang drei des Einstiegsgehalt-Rankings (Stepstone 2025). Gesetzlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben, gefragt sind aber Kenntnisse in Mathematik, Physik und Technik.

Fluggerätmechaniker

Fluggerätmechaniker warten und reparieren Flugzeuge und Hubschrauber, prüfen Triebwerke, Elektronik und Zelle – ein Beruf mit hoher Verantwortung und strengen Prüfanforderungen. Mit 41.750 Euro Bruttomedian liegt der Beruf auf Rang sechs der bestbezahlten Ausbildungsberufe nach dem Abschluss (Stepstone 2025); schon während der Ausbildung gehört er mit durchschnittlich 1.332 Euro tariflicher Vergütung zu den Top 10 (BIBB, Stand 1.10.2025). Ausbildungsplätze gibt es bei Fluggesellschaften, Wartungsbetrieben und der Luftfahrtindustrie, meist konzentriert an Flughafenstandorten. Für Bewerber heißt das: Wer flexibel beim Wohnort ist, hat deutlich mehr Auswahl.

Bankkaufmann

Bankkaufleute beraten Kunden zu Konten, Krediten und Geldanlagen und arbeiten in Filialen, in der Beratung oder im Backoffice. In der Regel erwarten die Institute einen guten Realschulabschluss oder das Abitur; eine gesetzliche Vorgabe gibt es nicht. Der Beruf ist in beiden Rankings stark vertreten: 1.388 Euro tarifliche Ausbildungsvergütung im Durchschnitt (BIBB, Stand 1.10.2025) und 41.500 Euro Bruttomedian-Einstiegsgehalt (Stepstone 2025).

Mechatroniker

Mechatroniker verbinden Mechanik, Elektronik und Steuerungstechnik: Sie bauen, installieren und warten komplexe Maschinen und Anlagen. Mit 41.000 Euro Bruttomedian gehört der Beruf zu den zehn bestbezahlten Ausbildungsberufen nach dem Abschluss (Stepstone 2025); die tarifliche Ausbildungsvergütung liegt im Durchschnitt bei 1.324 Euro (BIBB, Stand 1.10.2025). Wichtig sind technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und Sorgfalt.

Tarifbindung und regionale Unterschiede: Was die Zahlen für dich bedeuten

Die BIBB-Werte sind tarifliche Vergütungen – und nicht jeder Betrieb zahlt nach Tarif. Damit du die Zahlen richtig einordnest, solltest du vier Regeln kennen:

  • Tarifgebundene Betriebe müssen den Tarif zahlen. Ist ein Betrieb an einen Tarifvertrag gebunden, gilt die tarifliche Ausbildungsvergütung verbindlich. Viele nicht gebundene Betriebe orientieren sich freiwillig daran, müssen es aber nicht.
  • Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG. Seit 2020 gibt es eine gesetzliche Mindestvergütung, die jährlich steigt. Sie gilt aber nicht für tarifgebundene Betriebe mit abweichenden – auch niedrigeren – Tarifsätzen.
  • Maximal 20 Prozent Abweichung nach unten. Nicht tarifgebundene Betriebe dürfen höchstens 20 Prozent unter dem einschlägigen Tarif liegen, niemals aber unter der gesetzlichen Mindestvergütung.
  • Unterschiede zwischen Branchen bleiben groß. Die Vergütungen werden für rund 500 Tarifbereiche berechnet – je nach Branche und Region können die Sätze deutlich abweichen. Der BIBB-Durchschnitt 2025 reicht von 1.329 Euro im öffentlichen Dienst bis zu 1.093 Euro im Handwerk.

Praktisch heißt das: Die BIBB-Tabellen sind eine belastbare Verhandlungsbasis, kein Garant. Bevor du einen Ausbildungsvertrag unterschreibst, prüfe, ob dein Betrieb tarifgebunden ist und welcher Tarifvertrag gilt. Diese Information steht meist im Ausbildungsvertrag selbst oder lässt sich beim Betriebsrat beziehungsweise der zuständigen Kammer erfragen. Die konkrete Zahl in deinem Vertrag zählt – und sie darf in einem nicht tarifgebundenen Betrieb deutlich unter dem BIBB-Durchschnitt liegen, solange Mindestvergütung und 20-Prozent-Grenze eingehalten werden.

Für die Berufswahl ergibt sich daraus eine einfache Faustregel: In Berufen mit hoher Tarifbindung – etwa in der chemischen Industrie, bei Banken und Versicherungen oder im öffentlich nahen Bereich – liegen tatsächliche Vergütung und BIBB-Tabellenwert meist eng beieinander. In Branchen mit vielen kleinen, nicht tarifgebundenen Betrieben ist die Streuung größer. Wer dort ausbildet wird, sollte den Verdienst im Vorstellungsgespräch aktiv ansprechen und sich das Angebot schriftlich geben lassen, bevor er zusagt.

FAQ zu den bestbezahlten Ausbildungsberufen

Was ist die Mindestausbildungsvergütung?

Die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG gilt seit 2020 und steigt jährlich – das BIBB informiert fortlaufend über die jeweils aktuelle Höhe; in den Folgejahren der Ausbildung kommen Zuschläge hinzu. Wichtig ist die Ausnahme: Tarifgebundene Betriebe mit eigenen Tarifsätzen sind von der Mindestvergütung ausgenommen, auch wenn ihr Tarif darunter liegt. Für Azubis in nicht tarifgebundenen Betrieben ist die Mindestvergütung hingegen eine harte Untergrenze, die nicht unterschritten werden darf.

Gibt es noch Unterschiede zwischen den Branchen und Regionen?

Ja – und zwar erhebliche. Die tariflichen Ausbildungsvergütungen werden laut BIBB für rund 500 Tarifbereiche separat berechnet. Über dem gesamtdeutschen Durchschnitt von 1.209 Euro lagen 2025 der öffentliche Dienst (1.329 Euro), die Hauswirtschaft (1.295 Euro) sowie Industrie und Handel (1.266 Euro); darunter blieben Landwirtschaft (1.188 Euro), freie Berufe (1.098 Euro) und Handwerk (1.093 Euro). Ein Blick in den konkret geltenden Tarifvertrag lohnt sich also immer.

Muss mein Ausbildungsbetrieb den Tarif zahlen?

Nur wenn er tarifgebunden ist. Viele nicht gebundene Betriebe zahlen freiwillig nach Tarif oder darüber, müssen es aber nicht. Nicht tarifgebundene Betriebe dürfen maximal 20 Prozent unter dem einschlägigen Tarif liegen und niemals unter der gesetzlichen Mindestvergütung. Ob dein Betrieb tarifgebunden ist, erfährst du im Ausbildungsvertrag, beim Betriebsrat oder bei der zuständigen Kammer.

Warum unterscheiden sich die Rankings im Netz so stark?

Weil sie oft verschiedene Größen mischen: Ausbildungsvergütung, Einstiegsgehalt und Median-Gehalt erfahrener Fachkräfte sind drei unterschiedliche Dinge. Einige Datenbanken weisen zudem ausdrücklich Median-Entgelte für alle Vollzeit-Fachkräfte aus – keine Einstiegsgehälter. Wer solche Werte als „Gehalt nach der Ausbildung" präsentiert, täuscht über die tatsächliche Einstiegsperspektive hinweg. Achte deshalb immer auf die Kennzeichnung: Welche Gruppe wurde vermessen, zu welchem Zeitpunkt im Berufsleben, und aus welcher Quelle stammt der Wert?

Wo bekomme ich die aktuellsten Zahlen?

Für die Ausbildungsvergütung ist die BIBB-Übersicht „Tarifliche Ausbildungsvergütungen" die amtliche Quelle; sie wird jedes Jahr zum 1. Oktober aktualisiert und bietet eine tabellarische Gesamtübersicht über die ermittelten Vergütungsdurchschnitte in den erfassten Ausbildungsberufen. Für Einstiegsgehälter nach der Ausbildung veröffentlicht Stepstone regelmäßig Auswertungen, zuletzt den Gehaltsreport 2025 mit der Pressemitteilung vom 25. März 2025. Ergänzend liefert das BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit Berufsbeschreibungen und Zugangsinformationen zu allen anerkannten Ausbildungsberufen.

Fazit: Welcher Ausbildungsberuf lohnt sich finanziell am meisten?

Die Antwort hängt von deinem Zeithorizont ab. Willst du während der Ausbildung möglichst viel verdienen, liegen Milchtechnologe (Ø 1.463 Euro) und Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen (Ø 1.404 Euro) vorn – mit spürbarem Abstand zum Bundesdurchschnitt von 1.209 Euro. Denkst du an die Jahre danach, führen Chemikant (46.250 Euro), Sozialversicherungsfachangestellte (45.000 Euro) und Elektroniker für Automatisierungstechnik (43.000 Euro) das Feld an. Und wer sich fragt, ob eine Ausbildung finanziell überhaupt mithalten kann: Die Stepstone-Analyse zeigt, dass Absolventen der Spitzenberufe in den ersten drei Berufsjahren im Median über 46.000 Euro jährlich erzielen – eine Ausbildung ist damit längst konkurrenzfähig.

Beide Tabellen in diesem Artikel werden regelmäßig aktualisiert, sobald das BIBB (jeweils zum 1. Oktober) und Stepstone neue Daten veröffentlichen. Prüfe vor einer Bewerbung trotzdem immer den aktuellen Stand direkt bei der Quelle – Tarifabschlüsse können die Werte zwischenzeitlich verändern. Und wenn du dich zwischen zwei Berufen entscheiden musst – oder zwischen Ausbildung und einem dualen Studium mit seinen Vor- und Nachteilen –: Das Gehalt ist ein starkes Argument, aber Passung, Arbeitsbedingungen und Entwicklungschancen entscheiden darüber, ob du den Beruf auch zehn Jahre später gern ausübst. Wer zusätzlich die Perspektive beliebter Kombiberufe sucht, findet im Überblick zum Mechatroniker-Gehalt weitere Anhaltspunkte für die eigene Planung.

Infografik: Ranking 1: Die höchsten Ausbildungsvergütungen nach BIBB (2025) Rang: 1 | Ausbildungsberuf: Milchtechnologe | Dauer: 36...