Zum Inhalt springen
Personal

Berufe in der Spedition: Warum die Transportbranche im Eichsfeld Fachkräfte sucht

Berufswelt Journal Redaktion
Berufe in der Spedition: Warum die Transportbranche im Eichsfeld Fachkräfte sucht

Volle Kipper auf dem Weg zur Baustelle, Sattelzüge mit Kies und Sand zwischen Autobahn und Landstraße: Wer im Baugewerbe, in der Landwirtschaft oder in der Industrie unterwegs ist, kennt dieses Bild. Dahinter steht eine Branche, die seit Jahren mit spürbarem Personalbedarf kämpft vor allem, weil zu wenig Nachwuchs nachrückt, während viele erfahrene Fahrerinnen und Fahrer altersbedingt aussteigen. Gerade in ländlichen Regionen wie dem Eichsfeld in Thüringen hängt es von Fahrern und Disponenten ab, ob Material pünktlich auf der Baustelle oder im Werk ankommt. Für Berufseinsteiger und Quereinsteiger eröffnet das Chancen vorausgesetzt, sie kennen die Anforderungen und die Wege in den Beruf.

Berufsbilder in der Spedition: vom Fahrer bis zur Disposition

Das bekannteste Berufsbild der Branche ist der Berufskraftfahrer. Wer Güter mit schweren Lkw transportiert, benötigt die Führerscheinklasse CE sowie eine Grundqualifikation nach dem Berufskraftfahrerqualifikations-Gesetz. Diese Qualifikation muss alle fünf Jahre durch eine Weiterbildung von 35 Stunden aufgefrischt werden. Der Alltag umfasst weit mehr als das reine Fahren: die Abfahrkontrolle am Fahrzeug, die Ladungssicherung, das Einhalten der Lenk- und Ruhezeiten und der Umgang mit digitalen Fahrtenschreibern gehören fest dazu. Viele Fahrerinnen und Fahrer schätzen dabei die Eigenständigkeit auf Tour und die unmittelbar sichtbaren Ergebnisse ihrer Arbeit. Welche Anforderungen Arbeitgeber besonders hoch gewichten, zeigt der DEKRA Arbeitsmarktreport 2026, der rund 350 Stellenangebote ausgewertet hat: An erster Stelle steht dabei Verlässlichkeit, gefolgt von Soft Skills wie Verantwortungsbewusstsein.

Weniger sichtbar, aber ebenso gefragt ist die Disposition. Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung planen Touren, koordinieren Fahrzeuge und Fahrer, stimmen sich mit Kunden ab und sorgen dafür, dass Aufträge wirtschaftlich und termingerecht abgewickelt werden. In kleineren Betrieben kommen oft weitere Aufgaben hinzu, von der Angebotskalkulation bis zur Urlaubsplanung. Die Disposition ist ein abwechslungsreiches Feld für Menschen, die gern organisieren, kommunikationsstark sind und lieber am Bildschirm als am Steuer arbeiten. Auch Lager- und Verkehrsberufe etwa Fachkräfte für Lagerlogistik bilden in vielen Speditionen das dritte Standbein des Personals.

Wege in den Beruf: Ausbildung, Umschulung, Quereinstieg

Der klassische Einstieg ist die dreijährige duale Ausbildung zum Berufskraftfahrer beziehungsweise zur Berufskraftfahrerin. Sie verbindet Berufsschule mit Praxis im Ausbildungsbetrieb, der benötigte Lkw-Führerschein wird in der Regel während der Ausbildungszeit erworben. Die nicht unerheblichen Kosten dafür übernehmen viele Betriebe; zudem können Förderprogramme einen Teil abdecken. Der Einstieg ist früher möglich, als viele denken: Mit abgeschlossener Grundqualifikation darf bereits ab 18 Jahren auf schweren Lkw gefahren werden. Parallel existiert die Ausbildung zum Kaufmann beziehungsweise zur Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung, die auf Tätigkeiten in Disposition und Auftragsabwicklung vorbereitet.

Für Erwachsene aus anderen Berufen ist die Umschulung ein etablierter zweiter Weg. Sie läuft häufig über die Agentur für Arbeit oder die Jobcenter, die entsprechende Qualifizierungen per Bildungsgutschein fördern können; auch die Industrie- und Handelskammern bieten passende Abschlüsse an. Wer bereits über einen Lkw-Führerschein verfügt, kann die fehlende Grundqualifikation in beschleunigten Lehrgängen nachholen und so innerhalb weniger Monate in den Beruf wechseln. Quereinsteigern empfiehlt es sich, vorab drei Fragen zu klären: Welche Führerscheinklasse brauche ich für die angestrebte Tätigkeit? Wer trägt die Kosten der Qualifikation? Und welches Einsatzprofil Nahverkehr, Fernverkehr oder Baustellenverkehr passt zu meinem Alltag?

Schüttguttransporte im Eichsfeld: ein regionales Beispiel

Wie die beschriebenen Berufsbilder in einem realen Betrieb zusammenspielen, lässt sich an einem Beispiel aus der Region zeigen. MaJa Transporte aus Niederorschel ist auf Schüttguttransporte spezialisiert: Sand, Kies, Erde und Steine gehören ebenso zum Leistungsspektrum wie Abfälle und Schrott. Der Standort im thüringischen Eichsfeld liegt verkehrsgünstig zwischen Göttingen, Nordhausen und Erfurt; die Kunden kommen aus Bau, Landwirtschaft und Industrie allesamt Branchen, in denen Termintreue und ein sauberer Umgang mit der Ladung geschäftsentscheidend sind. Wer eine erfahrene Spedition in Nordhausen und der umliegenden Region sucht, stößt hier auf einen Betrieb, der regionale ebenso wie überregionale Transporte abwickelt.

Für Fahrer bedeutet ein solches Umfeld ein klar umrissenes Tätigkeitsprofil: überwiegend planbare, regionale Touren, der Umgang mit modernen Kippern und wechselnden Materialien statt standardisierter Palettenware sowie kurze Abstimmungswege mit dem Logistik-Team. Für Disponenten liegt die Herausforderung in der flexiblen Einsatzplanung, weil Baustellen- und landwirtschaftliche Aufträge wetter- und saisonabhängig schwanken. Das Beispiel macht zugleich deutlich, warum kleinere und mittlere Speditionen den Fachkräftebedarf besonders direkt spüren: Jede unbesetzte Stelle wirkt sich bei begrenzter Flottengröße sofort auf die Auftragsabwicklung aus. Verlässliche Teams und die Bindung erfahrener Fahrer werden damit zum echten Standortfaktor.

Warum die Transport- und Speditionsbranche Fachkräfte sucht

Der Fahrermangel ist kein neues Phänomen, aber er hat sich zugespitzt. Bei spezialisierten Fahrern für Gefahrguttransporte ist von rund 70.000 unbesetzten Stellen die Rede; branchenweit gehen aktuelle Berichte von bis zu 120.000 fehlenden Lkw-Fahrern aus. Eine exakte Zahl existiert nicht, die Schätzungen variieren je nach Erhebung und Stichtag. Einig sind sich die Beobachter jedoch in der Tendenz: Der Bedarf wächst. Das liegt auch an der Altersstruktur der Belegschaften. Pro Jahr verlassen schätzungsweise rund 30.000 Fahrerinnen und Fahrer den Beruf aus Altersgründen, während nur etwa 15.000 bis 17.000 Nachwuchskräfte nachrücken. Die Lücke wird so von Jahr zu Jahr größer. Europaweit sollen nach Medienberichten sogar mehr als eine halbe Million Fahrerstellen unbesetzt sein. Ähnlich knapp ist der Arbeitsmarkt in angrenzenden Gewerken, etwa beim Fachkräftemangel im Tiefbau, der für Berufseinsteiger neue Chancen eröffnet.

Verbände wie der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) sprechen deshalb von einem strukturellen Problem und haben sich Anfang des Jahres zu einer Verbändeinitiative gegen den Fahrermangel zusammengeschlossen. Gefordert werden unter anderem einfachere Zugangswege in den Beruf und bessere Arbeitsbedingungen. Für Regionen mit vielen mittelständischen Betrieben wie das Eichsfeld bedeutet das eine Doppelbotschaft: Betriebe müssen sich als Arbeitgeber stärker ins Zeug legen und Bewerber finden derzeit ungewöhnlich gute Bedingungen vor.

Worauf Berufseinsteiger bei der Wahl des Arbeitgebers achten sollten

Die Arbeitsmarktlage spricht derzeit für Bewerber doch nicht jeder Betrieb passt zu jedem Fahrer. Ein erstes Kriterium ist der Fuhrpark: Moderne, gut gewartete Fahrzeuge sind eine Frage der Sicherheit ebenso wie des Komforts und ein Indikator dafür, wie sorgfältig ein Unternehmen wirtschaftet. Das zweite Kriterium ist das Einsatzgebiet. Wer feste Abendroutinen oder familiäre Verpflichtungen hat, ist im regionalen Nahverkehr meist besser aufgehoben als im Fernverkehr; Baustellenverkehr bringt frühe Startzeiten und wechselnde Einsatzorte mit sich. Drittens lohnt ein Blick auf die Teamstruktur: Ein fester Ansprechpartner in der Disposition, kurze Abstimmungswege und eine realistische Tourenplanung entscheiden im Arbeitsalltag oft mehr als der Stundenlohn auf dem Papier.

Viertens sollten Bewerber nach Entwicklungsmöglichkeiten fragen von übernommenen Weiterbildungskosten bis zur Perspektive, später in die Disposition oder Fuhrparkleitung zu wechseln. Und schließlich zählt die Verlässlichkeit des Arbeitgebers selbst: klare Verträge, pünktliche Gehälter, transparente Kommunikation.

Die Transportbranche wird auf absehbare Zeit mehr Menschen suchen, als zur Verfügung stehen. Für Einsteiger und Quereinsteiger ist das eine Ausgangslage mit echten Chancen: Die Qualifizierungswege sind klar geregelt, die Fördermöglichkeiten vielfältig, und die Bandbreite der Arbeitgeber reicht von der Karriere bei Konzernen wie EnBW bis zum regionalen Spezialisten. Wer sich früh über Anforderungen, Finanzierung und Einsatzprofile informiert, trifft die bessere Entscheidung. Und manchmal liegt der passende Einstieg näher als gedacht ein Blick auf die Betriebe in der eigenen Region kann sich lohnen.